Sie sind hier: Elke Siml
16:53, 31.07.2010

Große Bauernreihe 7
18317 Saal
fon 038223.407

elkesiml(at)gmx(dot)de
www.elkesiml.de

Arbeitsbereiche:
Grafik, Malerei,
Konzept, Installation

Kunst am Bau - realisierte Arbeiten

Licht und Wasser für 9 Planeten
Ort: Kaserne Stallberg, Wirtschaftsgebäude, 1999/2000, Edelstahl
Leitgedanken auf der Hauptstraße der Verwaltung
Ort: Kreistagsgebäude Güstrow, 2000/ 2001
Mysterium des Inneren
Ort: Innenministerium MV, Schwerin, 1998

 

 

Ausstellungen, Projekte

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o.T., 2001, C-print/Acryl, 50 x 100 cm
dolce stregata (Süßer Fremder)
2001, KunstKöln, Messebeteiligung Galerie Brhel
Wild
2003
telephone arabe
2009, Videoinstallatio, Aussenstandort bei figuarativesense (Kunst und Wissenschaft)
Zwischen Hund und Wolf

Katalogtext von Ulrich Puritz

Wer die Arbeiten, Aktionen und Performances der letzten Jahre von Elke Siml auf der Art Cologne, im Staatlichen Museum Schwerin oder in der Galerie Brhel (Schwerin) gesehen hat, der weiß, dass Sprache für sie eine zentrale Rolle spielt. Derzeit nutzt sie Unterschiede zwischen Sprachbildern, mit denen verschiedene Sprachen gleiche Sachverhalte beschreiben. Zum Beispiel kann man für „Dämmerung“ im Französischen „entre chien et loup“ sagen. Es ist jene Zeit, in der die Lichtverhältnisse „zwischen Hund und Wolf“ sich nicht mehr unterscheiden lassen. Im Arabischen hingegen lässt sich das Zwielicht mit „zwischen Schwarz und Weiß“ übersetzen. Verblüffende Entdeckungen, die für Elke Siml zum Impuls werden. So kommt der Wolf ins Spiel, der zusammen mit einer Riege von Gartenzwergen und Gesichtslandschaften eine komplexe Sequenz von vier transparenten Fotoarbeiten bildet. Ein sprachbezogenes Konzept hält die Fäden zwischen ihren Bildern, Objekten, Aktionen, Performances und Soundcollagen. Den Projektraum dominieren jedoch zwei schwarze kniehohe Holzkästen als Fremdkörper oder Antikörper zum „white cube“ und zu den beiden raumgliedernden Säulen. Ein gelungener Kunstgriff, der den weißen, komplizierten Raum mit wenigen Mitteln akzentuiert und für die gezeigten Arbeiten zugängig macht. Sodann fallen die Kreise auf. Zunächst die Roten, die in einer siebenteiligen Fotoserie zur Linken den Blick des Eintretenden aufnehmen und zum Tanzen bringen, weil sie in jedem Bild an versetzten Positionen eingebracht sind. Ein Tanz, der auf den Fotoarbeiten der Stirnseite wieder aufgenommen wird und dort ein vorläufiges Ende nimmt. Zwei großformatige Gesichter, ohne Rahmen übereinander an der Wand befestigt, tragen kreisrunde weiße Wattestücke auf den Augen. Die Kreise bedeuten und zeigen etwas. Mit dem Zeigen geht ein Verbergen einher.

Ums Zeigen, Irritieren und Verbergen geht es auch im Foto von jener doppelt belichteten und deshalb mit sich selbst verdoppelten Frau, die ihren Mantel provozierend öffnet und eine befremdlich große Männerunterhose auf nacktem Körper preiszugeben scheint. Diese große Fotoarbeit hinter Acrylglas ist lapidar an die Wand gelehnt. Sie trennt und verbindet die Werkblöcke mit den verschiedenen Kreisformen gleichermaßen. Es geht um unterschiedliche Formen des Zeigens. Die lächelnde Frau im schwarzen Mantel scheint Intimes zu offenbaren. Doch was sich erkennen lässt, scheint nicht zu ihr zu passen und bleibt vage. Es ist ein ironisches Zitatenspiel und verweist nicht auf die Darstellerin sondern auf etwas Anderes. Der Betrachter muss hinsehen und wegdenken, will er mit dem Bild zurande kommen. Die roten Kreise markieren einen Gegenstand, der sich beim besten Willen nicht identifizieren lässt. So bleibt er mitten im Zeigen verborgen. Das brachte mir den Film „blow up“ in Erinnerung. Hier entdeckt ein Fotograf auf seinen Abzügen ein Mordopfer – oder glaubt eines zu entdecken. Die Ausschnitte bleiben für den Kinobesucher undeutlich. Der Fotograf macht sich auf die Suche, doch das Opfer ist spurlos verschwunden. Eine vermeintliche oder reale Entdeckung, die sein bisheriges Leben bündelt und seine zukünftiges Handeln bestimmt.

Die roten, von Bild zu Bild springenden Kreise machen etwas dingfest, ohne dass ein Ding tatsächlich festzumachen ist. Sicher ist nur: Die Fotoserie als Ergebnis einer – fiktiven oder tatsächlichen – Beobachtung nimmt etwas aus dem Fluss des Wassers, welches hier dargestellt ist, und mithin aus der Zeit. Beide fließen fortwährend weiter, derweil Betrachter eingefrorene Momente studieren. Auch die Wattepads zeigen und verbergen: Sie wirken in den abgebildeten Gesichtern wie Augen und verdecken sie zugleich. Sie tragen – es könnten geschlossene Augenlider sein – die Aufschrift „Augentrost“. Jenseits aller Deutungsmöglichkeiten wird klar: Diese Fotoarbeiten geben nicht Beobachtungen wieder, sie verweisen auf konzeptuell begründete Handlungen, die im Bild fest- und angehalten, tatsächlich aber weitergeführt und weitergedacht werden, wie sich den bereitgelegten originalen Wattestückchen entnehmen lässt. Sie werden zum Kauf angeboten. Der Besucher kann sich die künstlerische Idee zu eigen machen und nach eigenen Vorstellungen nutzen und variieren. Diese Betrachtungen sollen genügen.

Die Indizien reichen für folgende Aussage: Diese Ausstellung thematisiert offene, unabgeschlossene Prozesse, Untersuchungen und künstlerische Aktionen, die im Fluss sind und die in den Fotoarbeiten, Objekten und Klängen lediglich eine kleine Pause einlegen, um uns zu besuchen, unser Sehen und Hören zu verrücken, uns einzubeziehen und anzustoßen. Ein Grund für ein solches Arbeitskonzept neben anderen: Elke Siml ist eine Reisende, in Gedanken, in und mit ihrer Kunst ebenso wie in ihren Taten. Von Saal nach Schwerin, Berlin, Rom, Venedig, Peschawar und Moskau. Bald wird sie nach Bombay aufbrechen. Auf ihren Reisen richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf Subjekte, die durch gesellschaftliche Prozesse zu Objekten geworden sind, wie Elke Siml es ausdrückt. Dazu zählt sie u. a. Tiere, die sie vorfindet, meist an Orten, wo sie zu Trophäen und Zitaten geschrumpft sind. Der lebensecht scheinende Wolf zum Beispiel stammt aus einem Kaufhaus in Moskau, er hält den Preis mit den Zähnen, der für ihn zu entrichten ist. Auch Bären und Enten sind auf ihren Arbeiten zu sehen. Weniger die Echten, eher jene aus Spielzeugabteilungen. In der Art, wie sie „in echt“ ins Bild gesetzt und mit anderen Motiven verbunden werden, erzählen sie von Domestizierungsprozessen des Menschen durch sich selbst. Die Naturbeherrschung am eigenen Leib übt und feiert er auch mit Symbolen und Szenarien der Herrschaft über das (ehemals) wilde Tier, in dem er seine eigene verloren gegangene Wildheit gebannt sieht – was bisweilen groteske Formen annehmen kann, wovon in der Ausstellung mit einem Augenzwinkern die Rede ist. Aspekten einer menschlichen Natur als abgetrenntes projektives Gegenüber rückt Elke Siml mit Stiften, Fotoapparat und Mikrophon auf den Pelz oder auf die Federn. Sie transformiert die Ergebnisse ihrer Recherchen in offene raumbezogene Formen der Poesie. Das Reisen ermöglicht Perspektivsprünge und ein vergleichendes Sehen, dem sich Verbindendes und Trennendes eröffnet. Elke Siml wechselt zwischen Sprach- und Kulturräumen und betreibt mit künstlerischen Mitteln Feldforschung im Dazwischen. Ein Freigeist aus ehemaliger DDR-Verwahrung mag hierfür besondere Sensoren entwickelt haben. Vielleicht ist Elke Siml auch eine Art Blauwal, der weite Strecken zurücklegt und sich von visuellen Eindrücken und Sprachpartikeln ernährt, die er für sich und für uns neu und überraschend zusammenbringt.

 

Vita

geboren 1947 in Kühlungsborn,
lebt und arbeitet in Saal und Berlin

Einzelausstellungen (Auswahl)
„vor dem Wort“ Kunsthalle Kühlungsborn (Katalog); Goethe-Institut Rom, Spoleto/Italien (1993) „sweets for the sweets - sweet briar“, VCCA, Virginia/USA (1998) „Treibsand“ Staatliches Museum Schwerin (2000, Katalog) „Transtendenzen“ Galerie Brhel (2001) „Navigare nececce est“, Galeria Por Amor A Àrte, Porto, Portugal (2002) "WILD" Projektraum Galerie Brhel (2003) „entre chien et loup“ Galerie Brhel (2004, Katalog) „tabula rasa“ Galeria Traghetto, Venedig(2005), „eine frau ist verschwunden“ akademiezurzeit (2007), „reise nach drüben“ mit Jörg Hamann, Technikmuseum Pütnitz (2008), „hörsaal“ akademiezurzeit (2009)

Performance/Konzeptart (Auswahl)
„Hören und Sehen vergehen“ Kunsthalle Rostock, „Landnahme“ Petersplatz, Rom (1995) / „ultima cena“ Güterboden Ribnitz-Damgarten und Sperlinga, Sizilien (1996) / „Rastplatz zweitausend“ EXPO Hannover (2000) /„Salon Europa“ Schwerin/Cordoba (2001) / „transtendenzen“ Staatliches Museum Schwerin (2001) / „Provinz Europa“ Samsö, Dänemark, 2002 / „tabula rasa“, Venedig, Berlin, Moskau 2004

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
„Begegnungen“, Kunsthalle Rostock „Kunst travers“, Kunsthalle Maribo, Dänemark (1990) / „Raumzwang“ Marstall Schwerin „Im Garten Napoleons“ mit B. Engler, Paris (1991) /„Im weissen Westen“, Kunsthalle Kühlungsborn (1992) „Nachgang Treibsand“ (Galerie Brhel 2000) / „Kunststreifzüge“, Staatliches Museum Schwerin/Schloß Güstrow (2000/2001) „Reise nach Drüben“ (Galerie Brhel 2003) / Offshore Splinter Künstlerhäuser Plüschow und Essen (2005), figurativesense Kunst und Wissenschaft, Künstlerbund MV (2009)

Kunst im öffentlichen Raum - Wettbewerbsgewinne
Telekom Rostock (1996) / Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern (1998) / Kreisverwaltung Güstrow (1999) / Kaserne Stallberg (1999)

Kunst im öffentlichen Besitz
Kunsthalle Rostock/ Deutsche Bank/ Landesvertretung MV in Berlin

Stipendien
Olevano Romano/Italien, Land MV (1991) / Stiftung Kulturfonds (1992) / Stipendium VCCA Virginia USA, Künstlerhaus Schloß Plüschow (1998) / Stiftung Kunstfonds 2003 / Land Mecklenburg Vorpommern 2007

Messebeteiligungen KunstKöln , art cologne

 

 

 

rastplatz
Projekt "rastplatz" EXPO 2000 Deutscher Pavillon
performance
Staatliches Museum Schwerin, Kunstnacht 2001
transtendenzen
2001 Galerie Brhel
Augentrost
2004, Fotografie, 70 x 100 cm
zwischen hund und wolf
2004, Fotografie